Das Deutschlandticket für den öffentlichen Nahverkehr entlastet laut einem aktuellen Gutachten rund ein Fünftel der Bevölkerung finanziell – und zudem auch das Klima in nennenswertem Ausmaß. Das geht aus einem Zwischenbericht zur »Evaluation Deutschlandticket« hervor, den mehrere Forschungsinstitute im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums erstellt haben.
Ausgewertet wurde dabei unter anderem auf Basis von Umfragen, wie viele Autokilometer seit Einführung des Tickets durch Bus und Bahn ersetzt wurden. Etwa zwölf bis 20 Prozent der mit dem Deutschland-Abo gemachten Fahrten wären demnach ohne das Ticket mit dem Auto zurückgelegt worden, haben die Institute ermittelt. Auf diese Weise sei im Untersuchungsjahr 2024 der Ausstoß von etwa 2,5 Millionen Tonnen CO₂ vermieden worden, das entspreche drei Prozent der durch den privaten Pkw-Verkehr entstandenen Gesamtemissionen in jenem Jahr.
Ein Trend, der sich fortsetzen dürfte: »Die sich in den laufenden Erhebungen abzeichnenden Werte für das gesamte Jahr 2025 liegen sehr nahe an den bisherigen Ergebnissen«, heißt es in dem Bericht weiter.
Verband kritisiert fehlende Entlastung der Bundesregierung für Nutzer der »Öffis«
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) wittert in der Veröffentlichung des Zwischenberichts ein Ablenkungsmanöver: Er sei direkt nach dem Entlastungsgipfel der Regierung erschienen, auf dem zwar Tankrabatt beschlossen worden sei, »aber keine Entlastungsmaßnahmen für die 24 Millionen Fahrgäste, die durch ihre ÖPNV-Nutzung täglich aktiv dazu beitragen, dass in Deutschland erheblich weniger Diesel und Benzin verbraucht werden«, hieß es vom VDV.
Dem VDV zufolge gab es Anfang dieses Jahres rund 14,6 Millionen Abo-Inhaber. Dem Zwischenbericht zufolge nutzt rund jeder fünfte Einwohner in Deutschland das Deutschlandticket. Das waren demnach knapp eine Million Abonnentinnen und Abonnenten mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Um spürbarer zur Verkehrsverlagerung beizutragen, sind aus Sicht des Verbands aber rund 20 Millionen Nutzerinnen und Nutzer nötig.
»Das Deutschlandticket verbessert die Mobilität verschiedener Nutzergruppen, vor allem für Menschen mit geringerem Einkommen«, heißt es in dem Zwischenbericht. »Durch die einfache und trotz erfolgter Preiserhöhungen noch immer relativ kostengünstige Nutzung des ÖPNV wird eine etwas verbesserte gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht.«
Debatte über mögliches Potenzial des Tickets
Dabei ist das Potenzial des Deutschlandtickets noch nicht ausgeschöpft: Es könnte noch bis zu 5,8 Millionen weitere Nutzerinnen und Nutzer gewinnen, etwa durch das Reaktivieren früherer Kunden sowie durch konsequentes Marketing, wie das Bundesverkehrsministerium mitteilte.
Der VDV sieht diese Einschätzung kritisch: »Das angebliche Potenzial an zusätzlichen Kundinnen und Kunden beim Deutschlandticket stellen wir in den Verkaufszahlen nicht fest. Vielmehr ist es so, dass aufgrund des immensen wirtschaftlichen Drucks auf die Verkehrsunternehmen das ÖPNV-Angebot bundesweit teilweise reduziert wird.« Das stehe dem Gedanken des Deutschlandtickets konträr entgegen. Der VDV warnt: »Ohne dass endlich auch der Bund Maßnahmen ergreift, werden die Verkaufszahlen eingefroren bleiben.«
In der aktuellen Debatte über mögliche Entlastungen für Bürgerinnen und Bürger in der Energiekrise wäre eine Vergünstigung des Deutschlandtickets eine effektivere Maßnahme als der beschlossene Tankrabatt, sagen Experten: »Die richtige Antwort auf den teuren Sprit«

vor 2 Tage
2








English (US) ·